Jeschken-Turm
Wind pfeift über den freien Kamm, Wolken streifen den Kegel aus Beton und Stahl: Der Jeschken‑Turm krönt den 1012 Meter hohen Gipfel Ještěd über Liberec. Das modernistische Ensemble aus dem Jahr 1968 gilt als Ikone des tschechischen Brutalismus – eine futuristische Nadel, die wie selbstverständlich aus dem Berg wächst. Schon von weitem ist die Silhouette zu sehen, ein Fixstern der Landschaft zwischen Nordböhmen und den Grenzbergen, der je nach Licht silbrig schimmert oder dunkel gegen den Himmel steht.
Wer hierher kommt, sucht Höhe und Weite. Bei klarer Sicht öffnet sich ein Rundblick über Täler, Wälder und ferne Kämme, oft bis zu Iser- und Riesengebirge. Frühmorgens färbt die Sonne den Turm warm, abends versinkt er in einem Band aus Dunst; im Winter legt sich Reif auf Stein und Geröll, der Wind erzählt vom Wetterwechsel. Für Reisende aus Świeradów‑Zdrój ist der Jeschken‑Turm ein naheliegender Sprung über die Grenze – ein markanter Orientierungspunkt und ein schönes Gegengewicht zu den sanfteren Formen des Isergebirges.